Ich habe das Buch zum Geburtstag geschenkt bekommen und hatte nie zuvor etwas
darüber gehört oder gelesen. Da ich gerade mit „Metro 2033“ (die Rezension wird hoffentlich bald folgen) fertig geworden war, fing ich noch am selben Tag an, mein neues Buch zu lesen. Ich bin ein kritischer Leser – wenn mir ein Buch nicht hundertprozentig oder auch nur abschnittsweise nicht gefällt, kann sich der Prozess des Lesens durchaus über einige Wochen hinweg ziehen. Für „Ich bin kein Serienkiller“ habe ich gerade mal 6 Tage gebraucht, von denen ich an zwei nicht einmal Zeit gefunden hatte, um das Buch zur Hand zu nehmen.
Dan Wells schreibt aus der ersten Person über den 15-jährigen John Wayne Cleaver, der in der amerikanischen Kleinstadt Clayton lebt. Er stammt aus zerrütteten Familienverhältnissen und seine Mutter arbeitet, gemeinsam mit seiner Tante als Bestatter in der an das Familienhaus angrenzenden Leichenhalle. John durfte schon früh in der Leichenhalle aushelfen und es macht ihm sogar Spaß, die toten Körper für die Beerdigung zu präparieren. Doch John hat noch ein anderes Hobby: Er interessiert sich für Serienkiller und saugt jede Information über ihre Taten und Beweggründe in sich auf. Sein Faible für die Killer geht sogar so weit, dass er einen Schulaufsatz zum Thema „Große amerikanische Persönlichkeiten“ über den BTK-Killer Dennis Rader schreibt.
John ist für sein junges alter schon sehr intelligent und selbstkritisch. Durch sein enormes Wissen über Serienkiller weiß er, dass er sehr gefährdet ist, selbst zu einem Mörder zu werden. Doch gleichzeitig erkennt er, dass es falsch ist, einen Menschen zu töten. Aus diesem Grund hat er sich selbst Regeln aufgezwungen, die verhindern sollen, sein „inneres Monster“ zu bändigen.
Eines Tages wird der Automechaniker Jeb Jolly brutal ermordet. Nach einigen Tagen der gerichtsmedizinischen Untersuchungen, trifft die Leiche beim Bestattungsunternehmen von Johns Mutter ein. Natürlich hilft John die entstellte Leiche zu präparieren. Es folgen zwei weiterere Morde und John ist sich sicher, dass ein Serienkiller sein Unwesen in Clayton treibt. Fortan bricht er eine seiner Regeln und fängt an, die Menschen genau zu beobachten, um den Mörder selbst zu fassen. Er analysiert die Leichenfunde und stößt auf einige Ungereimtheiten.
Weitere Einzelheiten zur Geschichte darzulegen, würde dem Leser einiges an Spannung nehmen. Deshalb möchte nur darauf hinweisen, dass nach ca. einem Drittel das Buch in das Genre der Phantastik wechselt.
Dan Wells beschreibt sehr anschaulich, wie die toten Körper in der Leichenhalle seiner Mutter präpariert werden und auch die Morde des Serienkillers sind durchaus blutig.
Wells ermöglicht es uns tief in Johns Seele zu blicken. Detailliert erfahren wir, wie der Teenager seinen Hass auf die Menschheit projiziert und nur durch seine Regeln nicht selbst zum unaufhaltsamen Killer wird. Doch im Laufe der Geschichte und je näher John dem Geheimnis des Serienkillers von Clayton kommt umso mehr bröckelt die Mauer, hinter der er sein „inneres Monster“ gefangen hält.
Dan Wells hat mit seinem Debut nicht nur einen spannenden Fantasy-Thriller, sondern auch gleich zwei sehr interessante Charakterstudien abgeliefert. Auf der einen Seiten haben wir John, der versucht eine Fassade der Normalität aufzubauen um eben kein Mörder zu werden und auf der anderen Seite haben wir den Clayton-Killer, der eigentlich ein ganz gewöhnliches Leben führt, wenn er nicht töten müsste, um zu überleben.
Phantastik-Fans die es gerne ein wenig blutig haben, kommen genauso auf ihre Kosten wie Thriller-Leser, die sich mit Fantasy-Elementen anfreunden können.
Mein Fazit: Auf jeden Fall lesen!
Mittlerweile gibt es zwei Fortsetzungen zu dem Buch mit den Titeln „Mr. Monster“ und „Ich will dich nicht töten.“